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Abgangsentschädigung

1 Einleitung

Abgangsentschädigungen sind aus dem modernen Wirtschaftsleben kaum mehr wegzudenken. Aufgrund von Konjunkturschwankungen oder Strukturbereinigungen werden Arbeitsplätze abgebaut. In der Regel wird dem entlassenen Arbeitnehmer eine Kapitalabfindung ausgerichtet. Ziel der folgenden Ausführungen ist es, die steuerlichen Besonderheiten im Zusammenhang mit Abgangsentschädigungen aufzuzeigen.

Vorab gilt jedoch: Für die Besteuerung ist stets die Einzelbeurteilung im Steuerveranlagungsverfahren massgeblich.

2 Besteuerung der Abgangsentschädigung

2.1 Allgemeines

Abgangsentschädigungen gehören zu den steuerbaren Einkünften und werden grundsätzlich zusammen mit dem übrigen Einkommen versteuert. Hat die Abgangsentschädigung Vorsorgecharakter, erfolgt die Besteuerung getrennt vom übrigen Einkommen zum günstigeren Vorsorgetarif (unter Ziff. 3). Hat die Abgangsentschädigung keinen Vorsorgecharakter, so ist unter Umständen der sog. Rentensatz anwendbar (unter Ziff. 4), d.h., die Abgangsentschädigung wird zwar mit dem übrigen Einkommen versteuert, zur Satzbestimmung wird jedoch nur derjenige Betrag herangezogen, welcher versteuert werden müsste, wenn die Leistung jährlich ausgerichtet worden wäre.

Es ist in der Praxis häufig, dass sich die Abgangsentschädigung aus verschiedenen Komponenten zusammensetzt (Erwerbsausfall, Deckung der Vorsorgelücke, Treueprämie) und sich die Parteien damit sehr oft per Saldo aller Ansprüche auseinander gesetzt haben. Setzt sich die Abgangsentschädigung aus mehreren solchen Komponenten zusammen, erfolgt die Besteuerung der einzelnen Komponenten nach Massgabe der nachfolgenden Grundsätze.

2.2 Deklaration/Bescheinigungspflicht

Abgangsentschädigungen werden im Formular 1 deklariert. Auf die Frage "Haben Sie im Jahr x Kapitalleistungen erhalten, die bisher noch nicht besteuert wurden oder steuerfrei sind?" ist mit Ja zu antworten. Eine Bescheinigung ist zwingend beizubringen, da erst aufgrund der Natur der Abgangsentschädigung entschieden werden kann, ob eine Jahressteuer zum Vorsorgetarif oder eine Besteuerung mit dem übrigen Einkommen zum Rentensatz erfolgen kann. Im Falle einer Abgangsentschädigung kommen zudem weitere Unterlagen für die Beurteilung der Leistung in Frage:

  1. Vereinbarung mit dem Arbeitgeber
  2. Lohnausweis
  3. Sozialplan
  4. Versicherungsausweis der Pensionskasse
  5. Arztbericht/Krankheitsgeschichte

Unter Umständen fordert die Steuerverwaltung im Rahmen der Veranlagung weitere Unterlagen an. Es ist daher empfehlenswert, weitere, nicht eingereichte Unterlagen sorgfältig aufzubewahren und nur kopierte Unterlagen einzureichen.

Der Arbeitgeber hat bei der Ausrichtung der Abgangsentschädigung dem Arbeitnehmer zu bescheinigen, wie sich diese zusammensetzt und für welche(n) Zweck(e) sie bestimmt ist. Die Berechnungen der Vorsorgelücke aufgrund des vorzeitigen Ausscheidens aus dem Unternehmen sind von der Vorsorgeeinrichtung zu bestätigen. Die Bestätigung muss die künftigen Vorsorgelücken umfassen. Allfällig bestehende Vorsorgelücken zum Zeitpunkt des Ausscheidens aus der Unternehmung sind nicht zu berücksichtigen.

2.3 Besteuerungszeitpunkt

Die Abgangsentschädigung ist grundsätzlich dann zu versteuern, wenn die Leistung daraus entweder schon vereinnahmt ist (Auszahlung) oder wenn ein fester Rechtsanspruch darauf erworben worden ist.

2.4 Bemessungsgrundlage

Als Bemessungsgrundlage wird die Leistung nach Abzug der Sozialabgaben herangezogen. Allfällige Aufwendungen, welche unmittelbar in Zusammenhang mit der Abgangsentschädigung stehen, können in Abzug gebracht werden. Sozialabzüge werden nur berücksichtigt, wenn die Besteuerung zusammen mit dem übrigen Einkommen erfolgt (Besteuerung zum Rentensatz; vgl. Ziff. 4).

2.5 Übertragung Abgangsentschädigung auf ein Freizügigkeitskonto oder eine -police

Die Übertragung einer Abgangsentschädigung des Arbeitgebers auf ein Freizügigkeitskonto oder eine -police ist nicht zulässig. Ebenfalls nicht möglich ist die Einbringung einer Barauszahlung innert Jahresfrist auf ein Freizügigkeitskonto oder eine -police.

2.6 Direkte Einlage in die Vorsorgeeinrichtung durch den Arbeitgeber

Leistet der Arbeitgeber eine direkte Einlage in die Vorsorgeeinrichtung, so ist diese Leistung im Lohnausweis separat aufzuführen (Rubrik Versicherungsbeiträge). Der Arbeitnehmer kann diesen Einkauf geltend machen, so dass ihn dieser im Ergebnis steuerlich nicht belastet. Der Einkauf wird jedoch nur dann steuerlich berücksichtigt, wenn

  1. der Einkauf noch während des Arbeitsverhältnisses erfolgt ist;
  2. das Vorsorgereglement einen solchen Einkauf vorsieht;
  3. die Vorsorgelücke im Zeitpunkt vor dem voraussichtlichen Ausscheiden aus dem Unternehmen bereits bestanden hat;
  4. infolge des Austritts aus dem Unternehmen eine Vorsorgelücke entsteht.

Sind die obigen Kriterien nicht erfüllt, kann der Einkauf steuerlich nicht berücksichtigt werden, und die Abgangsentschädigung wird je nach Sachlage als Jahressteuer zum Vorsorgetarif, zusammen mit dem übrigen Einkommen zum Rentensatz, oder mit dem übrigen Einkommen erfasst (vgl. Ziff. 3-5).

2.7 Einkauf in die Vorsorgeeinrichtung durch den Arbeitnehmer

Der Einkauf in die Vorsorgeeinrichtung durch den Arbeitnehmer ist steuerlich möglich, sofern die Voraussetzungen hierzu erfüllt sind, siehe Berufliche Vorsorge.

3 Jahressteuer zum Vorsorgetarif

3.1 Allgemein

Im Anwendungsbereich der Jahressteuer zum Vorsorgetarif wird die Abgangsentschädigung getrennt vom übrigen Einkommen mit einer separaten Jahressteuer erfasst. Die dabei angewendeten Steuersätze können Art. 44 StG des Steuergesetzes über die Kantons- und Gemeindesteuer sowie Art. 38 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer entnommen werden.

Beispiel:
Hans Müller erhält im Jahre 2017 eine Abgangsentschädigung von CHF 120'000.- , sein übriges Einkommen beträgt CHF 30'000.-. Es erfolgt im Jahre 2017 eine von der Einkommens- und Vermögensveranlagung getrennte Sonderveranlagung. Das übrige Einkommen wird bei dieser Sonderveranlagung nicht berücksichtigt.

3.2 Voraussetzungen

Eine Jahressteuer zum Vorsorgetarif setzt voraus, dass die Leistung des Arbeitgebers Vorsorgecharakter hat. Dies gilt sowohl für die direkte Bundessteuer als auch für die Kantons- und Gemeindesteuer (vgl. Urteil Bundesgericht vom 26.9.2017 2C_86/2017 2C_87/2017). Gemäss Kreisschreiben Nr. 1 der ESTV vom 3.10.2002 (Ziffer 6) hat eine Abgangsentschädigung dann Vorsorgecharakter, wenn sie ausschliesslich dazu dient, die mit den Risiken Alter, Invalidität und Tod verbundenen finanziellen Ausfälle abzufangen. Davon wird ausgegangen, wenn folgende Bedingungen kumulativ erfüllt sind:

  1. die Auflösung des Arbeitsverhältnisses findet nach dem vollendeten 55. Altersjahr statt;
  2. die Erwerbstätigkeit wird oder muss definitiv aufgegeben werden;
  3. durch den Austritt entsteht eine Vorsorgelücke, welche von der Vorsorgeeinrichtung zu berechnen ist (nach zukunftsgerichteter Sicht der Dinge, d. h. bestehende Vorsorgelücken fallen nicht darunter).

3.3 Bemessungsgrundlage der Jahressteuer zum Vorsorgetarif

Bei der Jahressteuer zum Vorsorgetarif werden keine Sozialabzüge gewährt. Als Bemessungsgrundlage dient die Abgangsentschädigung nach Abzug der Sozialabgaben.

4 Besteuerung zum Rentensatz

4.1 Allgemein

Liegen die Voraussetzungen für eine Besteuerung zum Vorsorgetarif nicht vor, kommt eine Besteuerung zum Rentensatz in Frage. Die Abgangsentschädigung, welche zum Rentensatz besteuert werden kann, wird mit dem übrigen Einkommen veranlagt. Für die (progressionswirksame) Berechnung der Steuer wird jedoch derjenige Steuersatz herangezogen, welcher sich ergäbe, wenn anstelle der einmaligen Leistung eine entsprechende jährliche Leistung ausgerichtet würde.

Beispiel:

Hans Müller erhält im Jahre 2017 eine Abgangsentschädigung von CHF 120'000.- , sein übriges Einkommen beträgt CHF 30'000.-. Diese ist als Entschädigung für den Erwerbsausfall für die nächsten drei Jahre bestimmt. Die Abgangsentschädigung wird zusammen mit dem übrigen Einkommen im Jahre 2017 voll besteuert. Für die Berechnung der geschuldeten Steuer wird jedoch derjenige Steuersatz angewendet, welcher sich ergäbe, wenn der Lohn jedes Jahr ausbezahlt würde. Im Jahre 2017 bezahlt Hans Müller somit Steuern auf einem Einkommen von CHF 150'000.- zum (vorteilhafteren) Satz von CHF 70'000.- (übriges Einkommen CHF 30'000.- sowie CHF 40'000.- jährlicher Anteil Abgangsentschädigung für drei Jahre).

4.2 Voraussetzung bei den Kantons- und Gemeindesteuern

Die Besteuerung zum Rentensatz kann nur dann gewährt werden, wenn es sich um eine Kapitalabfindung für wiederkehrende Leistungen handelt. Solche Kapitalabfindungen werden jedoch erst dann zum Rentensatz besteuert, wenn ordentlicherweise eine periodische Leistung vorgesehen gewesen wäre und diese ohne Zutun der berechtigten steuerpflichtigen Person unterblieben ist. Eine Besteuerung zum Rentensatz erfolgt,

  1. wenn ein Anspruch auf wiederkehrende Leistungen getilgt wird und diese Leistungen ohne Zutun des Steuerpflichtigen ausblieben;
  2. wenn anstelle des künftigen Lohnes eine Kapitalabfindung gezahlt wird.

Zur Satzbestimmung wird das letzte jährliche Erwerbseinkommen herangezogen. Auch eine vom Arbeitgeber und vom Arbeitnehmer bezeichnete Leistung, welche für sich alleine betrachtet eine Besteuerung mit dem übrigen Einkommen zum Rentensatz auslösen würde, kann von den Steuerbehörden in Berücksichtigung der gesamten Umstände anders gewürdigt werden.

4.3 Voraussetzung bei der direkten Bundessteuer

Die Besteuerung nach dem Rentensatz erfolgt nach den gleichen Grundsätzen wie bei den Kantons- und Gemeindesteuern.

5 Ordentliche Besteuerung mit dem übrigen Einkommen

Abgangsentschädigungen gehören sowohl bei den Kantons- und Gemeindesteuern als auch bei der direkten Bundessteuer zu den steuerbaren Einkünften (vgl. Ziff. 3). Liegen die Voraussetzungen für eine (vorteilhafte) Besteuerung nach Ziff. 3 (Jahressteuer zum Vorsorgetarif) und Ziff. 4 (Besteuerung zum Rentensatz) nicht vor, so wird die Abgangsentschädigung zusammen mit dem übrigen Einkommen besteuert.

6 Weitere Informationen

Die zitierten Gesetzesartikel können auf dem Internet unter folgender Adresse abgerufen werden: für die direkte Bundessteuer http://www.admin.ch/ch/d/sr/c642_11.html

für die Kantons- und Gemeindesteuer www.belex.sites.be.ch/ (unter Band 6)

Kreisschreiben Nr. 1 der Eidg. Steuerverwaltung "Die Abgangsentschädigung resp. Kapitalabfindung des Arbeitgebers" mit Beispielen, abrufbar im Internet unter

http://www.estv.admin.ch/d/dbst/dokumentation/kreisschreiben/w03-001d.pdf

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Fassung vom 20.11.2017 

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